Als ihre Worte sich über die Bucht erheben, gleitet der Segler lautlos hinter den mächtigen Bäumen hervor. „Und das Schiff mit acht Schädeln …“ klingt es kurz irgendwo in mir als das grotesk bunt beleuchtete Segelschiff die mondbeschienenen Wellen des Stroms teilt. Ist das Khaaro? Ist das Brechts Seeräuber Jenny? Ist das Seeräuber Khaaro?

„Aber eines Abends wird ein Getös sein am Hafen
Und man fragt „Was ist das für ein Getös?“
Und man wird mich stehen sehen hinterm Fenster
Und man fragt „Was lächelt die so bös?“

Nein, sie lächelt gar nicht bös – gibt ja auch gar keinen Grund. Dieser Wedel Schädel am Strand soll für immer sein. Denn dieser Abend hat so viel Gutes im Laderaum: Die Stimme, die Songs, das Lächeln von Alina Ziegenbein, den augenzwinkernden Schnöselcharme von Sebastian Stille, ein „V“ wie Monika Mertens’ Vendetta gegen Büro-Bullies. Jan Ladiges zerlegt seinen Lidl und Leonie Lastella einen IKEA und ihren Horst. Arne Poeck zerlegt sich selbst, aber auch die Sprache und Wehwalt Koslovsky setzt sie wieder zusammen und schickt sie in die Umlaufbahn zum Sirius. Dabei funkelt der Mond auf den Wellen und ein Moderatorenherz ist übervoll von Glück.

Und Seeräuber Khaaro entführt den Pokal in die Nacht.

„Und das Schiff mit acht Schädeln
Und mit fünfzig Kanonen
Wird entschwinden mit mir.“

 

 

 

Dieses Gewölbe, kathedralengleich, und diese Menschen, titanesk. Auf Schicht. Mit Schichtleiter Jason Bartsch am Mikrofon. Da wird die Arbeit mindestens zum Vergnügen. Das anliegende Werkstück: Die Hamburger Stadtmeisterschaft 2017. Und was das für ein Werk wurde. Sex wurde da verhandelt und Drugs und Religion. Der alte Bruder Rock ‘n‘ Roll hingegen war zu Hause geblieben. Da hat er was verpasst. Das unablässige Prasseln von Danny Grimpes Fingern auf die Tickertastatur, während derselbe dabei einem Rembrandt-Gemälde entsprungen schien. Applaus in Wellen, in Schüben, in Wogen, eingehaltene und gerissene Zeitlimits, Hoffnungen, Träume, Wünsche. Ein großes Werk. Und am Ende war Stille.

Jetzt gilt es, den Dreck aus der Arbeitsjoppe zu klopfen und in die Hawaiihemden zu gleiten, es geht weiter zur nächsten Schicht am Strand.

Da kommt man noch ganz selig aus dem Grünen Jäger geschwankt, und schon ist man hellwach weil einem dieser Schädel vom Cover entgegen… ja was eigentlich? Lächelt? Grient? Feixt? Ich habe beschlossen, viel schöner kann niemand im schönen Wedel geweckt werden wollen.

Sei es drum, es gibt kein Zurück mehr ihr Szene-Größen und Wortzerwürfler, noch acht Tage und wir gehen an den Strand, und wenn wir Glück haben kommen auch ein paar Menschen zum Zusehen. Ich freue mich auf den kommenden Freitag und gehe jetzt in den Spannungsmodus für die beiden noch ausstehenden Runden der Hamburger Stadtmeisterschaften heute und morgen im Grünen Jäger und im Haus 73 und auf das große Finale der Stadtmeisterschaften am Sonnabend um 20.30 Uhr in der Fabrik.

Vom Erdboden verschluckte Moderatoren, goldene Hinterteile, prächtige Fontänen und illuminierte Riesenroboter – Hannover Herrenhausen kann ein herrlich verwunschener Ort sein…

 

In allen vier Hecken solln Texter drinstecken (und Texterinnen!). Und so steht man dann da, in den Heckennischen des Gartentheater Herrenhausens, schaut zu, wie auf der anderen Seite Tabea Farnbacher noch einmal ihren ersten Text durchgeht und Florian Wintels eine goldene Nymphe vom Sockel fotografiert. Oh ja es gibt zahlreiche goldene Hinterteile die an diesem goldenen Abend in der Abendsonne glitzern. Und meine Güte, sind die durchtrainiert diese Putten, hinter denen der wohl grünste Backstagebereich der Republik beginnt – ein Heckstagebereich gewissermaßen.

Henning Chadde und Jan Egge Sedelies sind im Bühnentunnel verschwunden und tauchen am Bühnenrand im klassischen Rund wieder auf, wo Beifall behutsam wie das verspielte plätschern einer Zierbrunnenkaskade aufwallt und in immer neuen wilden Schwallen sich zum brodelnden Wasserfall auswächst. Der Rest ist Rausch. Rausch aus Farben, Abendrot, Funkelgold, Sommerabendduft, Worten und Wertungen. Rausch aus Tabea Farnbachers Elegien, Philipp Herolds Makellosigkeiten und dann schlagen wir uns berauscht mit Leonie Warnkes Omma in die Blätterwälder des Florian Wintels bevor wir gemeinsam vom Beifall getragen dem funkelnden Springbrunnen am Ende der Bühne entgegenschreiten.

Dass das Porsche-Event im angrenzenden Schloss versucht, uns mit einer meterhohen illuminierten und tanzenden Roboterfigur die Show zu stehlen – geschenkt. Denn wir sind es, die durch den illuminierten Garten lustwandeln bis hin zur großen Fontäne. Im Kopf die Worte, im Herzen dieses Lächeln und in der Tasche dieses Polaroid mit Euch, das ich mitnehme, in den neuen Tag, in die neue Woche und zu neuen Abenteuern.

Zum Beispiel den Open Air Wedel Schädel Poetry Slam am 1. September um 19 Uhr, am Elbe 1

Fotos aus der Zuschauerperspektive gibt es von Matthias Stehr hier bei „Macht Worte!“

 

 

 

Den Sand noch in den Taschen wieder zurück von Sylt. Und auch der Dead vs. Alive Poetry Slam im Alten Kursaal in Westerland hat Spuren bei mir hinterlassen: Das ehrwürdige Dachgestühl, unter dem sich trefflich Könige krönen ließen und dann die abgewetzten Bühnenbretter mit den grandiosen Mona Harry, Helge Alrecht und Fabian Navarro teilen – schon das allein ist schwer zu toppen.

Aber wenn sich dann auch noch Hinnerk Köhn – puff – mit Schmiere und Schmäh in Falco verwandelt, Hille Norden eine frappierende Else Lasker Schüler gibt und Kati Luzi Stüdemann aus dem Dunst der Vergangenheit einen wunderbar klaren Bertolt Brecht auferstehen lässt, dann braucht es nur noch einen glänzend aufgelegten Wehwalt Koslovsky als Adelbert von Chamisso und ein höchst interessiertes Publikum, um aus einem wundervollen Abend einen goldenen zu machen.

Danke, Sylt! Danke, liebe Kollegen! Danke, Michel Kühn und Stefan Schwarck für die Organisation und Moderation!

 

1. September, 19 Uhr, Elbe 1 am Strandbaddamm 18

Schiffe, Strand und Storys – Der Wedel Schädel Poetry Slam präsentiert „Text on the Beach“. Für unser Sommerspecial verlassen wir ausnahmsweise die heiligen Hallen des BWC und machen am Elbe 1 am Strandbaddamm 18 am Wedeler Elbstrand fest. Vor der Kulisse gigantischer Containerriesen und des traumhaften Wedeler Elbstrands, an den im Sonnenuntergang sanft die Wellen rollen, kämpfen acht Poetinnen und Poeten um den Siegerpokal.

Beginn ist um 19 Uhr, Einlass ab 18 Uhr am Elbe 1, Strandbaddamm 18, Wedel

Der Eintritt ist frei, aber es wird um eine Spende für die Dichterinnen und Dichter gebeten. Bei schlechtem Wetter findet die Veranstaltung im Schuppen 1 statt.

Der Wedel Schädel Poetry Slam ist stolz, in diesem Jahr einen Vertreter zu den DEUTSCHSPRACHIGEN POETRY SLAM MEISTERSCHAFTEN vom 24. bis 28. Oktober nach Hannover entsenden zu dürfen. Noch stolzer sind wir, dass der wundervolle Jan Ladiges den Wedel Schädel auf dem SLAM 2017 vertreten wird.

Die deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften werden jedes Jahr in einer anderen Stadt ausgetragen und gelten als das größte Live-Literatur-Festival der Welt.